Tötung in Bad Wurzach: Verdächtiger schweigt

Bad Wurzach Der 42-Jährige, der Sonntagnacht in Bad Wurzach einen Mann erschossen haben soll, sitzt nun in Untersuchungshaft. Das Amtsgericht Ravensburg hat Haftbefehl wegen Totschlags erlassen.

Das sagte Oberstaatsanwalt Karl-Josef Diehl am Mittwoch auf Anfrage der „Schwäbischen Zeitung“. Der Tatverdächtige habe vor dem Haftrichter keinen Angaben zum Tatvorwurf gemacht.

In Unterbauch geschossen
Er soll am Sonntag kurz nach 22 Uhr vor einem Wohnhaus in der Neuen Straße seinen 37-jährigen türkischen Landsmann einmal in den Unterbauch geschossen und dadurch tödlich verletzt haben. Das spätere Opfer hatte den 42-Jährigen an seinem Wohnsitz aufgesucht, offenbar um ausstehende Schulden einzufordern. In der Folge entwickelte sich zunächst eine Schlägerei zwischen den beiden Männern.
Laut Zeugenangaben soll der Tatverdächtige sich schließlich zunächst mit einem Messer bewaffnet, anschließend eine Pistole aus seiner Wohnung geholt und im Eingangsbereich des Hauses den letztlich tödlichen Schuss auf den 37-jährigen Mann abgegeben haben.

Ermittlungen laufen
„Beschuldigter und Opfer hatten offenbar seit mehreren Jahren Streit über finanzielle Angelegenheiten“, sagt Oberstaatsanwalt Diehl im SZ-Gespräch. Nach seinen Worten handelte es sich um eine vierstellige Summe. Woher diese Schulden stammen und ob sie überhaupt berechtigt waren, sei ein Aspekt der laufenden Ermittlungen, so Diehl weiter.

Auch den genauen Ablauf der Tat gelte es zu rekonstruieren. Dazu würden Spuren am Tatort ausgewertet und Zeugen vernommen. Unter anderem die zwei Augenzeugen, die Verwandte des Opfers sind und diesen zum späteren Tatort begleitet haben.

Herkunft der Pistole unklar
Noch ungeklärt ist laut Diehl auch, warum der Tatverdächtige eine geladene Pistole besessen hat und wie er zu dieser kam.

SZ-Recherchen im türkischen Umfeld in Bad Wurzach ergeben kein einheitliches Bild über die Beziehung von Opfer und Tatverdächtigem.

Kein einheitliches Bild
Zu hören ist auf der einen Seite, dass es sich beim mutmaßlichen Täter um einen Mann handele, der in der türkischen Gemeinde keinen guten Ruf besessen habe. Der 42-jährige Ehemann und Vater dreier Kinder soll sich diesen Stimmen nach bei mehreren Menschen Geld geliehen, aber gar nicht oder nur zögerlich zurückgezahlt haben. Auch von Spielschulden ist die Rede.

Das Opfer, ebenfalls verheiratet und Vater zweier Kinder, habe dagegen in der Gemeinde hohes Ansehen als seriöser und großzügiger Geschäftsmann gehabt, ist zu hören. Vermutet wird, dass auch er dem mutmaßlichen Täter Geld geliehen hat.

Andere Quellen berichten dagegen, dass das Opfer in der Wohnung des Tatverdächtigen Handwerksarbeiten ausgeführt habe. Über deren Qualität und die Höhe des dafür zu zahlenden Geldes sei der Streit entstanden.

„Die Zukunft verbaut“
„Wir sind alle geschockt“, sagt Fuat Karaismailoglu, Vorsitzender des türkischen Elternvereins. „Der Mann hat zwei Familien und sich selbst die Zukunft verbaut.“ Der Leichnam werde am Donnerstag in die Türkei überführt und dort bestattet. Die Angehörigen des Opfers halten sich dort bereits auf.

Die türkische Gemeinde wird am Freitagmittag zu einer Trauerfeier in der Moschee in der Biberacher Straße zusammenkommen.

Quelle: www.szon.de

2017-11-16T09:09:21+00:00