Angeklagter zeigt Reue

Ravensburg – Im Ravensburger Mordprozess gegen zwei Jugendliche, die ihre Nachbarin getötet haben sollen, hat der 15-jährige Hauptangeklagte Reue gezeigt. Er habe unter Tränen den 46-jährigen Ehemann der Toten um Verzeihung gebeten, berichtete sein Verteidiger Uwe Rung am Donnerstag am Rande der Verhandlung. „Es tut mir leid, was passiert ist“, sagte der 15-Jährige den Anwaltsangaben zufolge vor Gericht.

Der Hauptschüler steht wegen gemeinschaftlichen Mordes mit seinem 17-jährigen Freund vor Gericht. Sie sind angeklagt, die 26-Jährige am 15. April 2009 im oberschwäbischen Bad Buchau im Kreis Biberach bei einem Einbruch getötet zu haben. Die Nachbarin hatte die Kinder beim Stehlen überrascht und trotz Gesichtsmaske erkannt. Der Ehemann sowie eine 28-jährige Schwester des Opfers sind als Nebenkläger vertreten. Der Prozess wird an diesem Montag (1. Februar) mit weiteren Zeugenbefragungen fortgesetzt. Unter ihnen sind auch Freunde der Angeklagten. Die Clique soll die Tat mitgeplant haben. Ein Urteil wird am 10. Februar erwartet.

Die Hauptverhandlung findet hinter verschlossenen Türen statt, weil die Angeklagten minderjährig sind. Auch den Medien ist der Zutritt verwehrt. Unterdessen hat das Gericht einen Antrag Rungs auf Befangenheit des Vorsitzenden Richters Jürgen Hutterer abgewiesen. Der Antrag sei unbegründet, teilte eine Gerichtssprecherin am Donnerstagabend mit. Der Verteidiger hatte damit erreichen wollen, dass die polizeiliche Vernehmung der Angeklagten im Prozess nicht verwendet wird. Der Anwalt hatte bemängelt, die Jugendlichen seien kurz nach der Bluttat mehrere Stunden lang ohne Benachrichtigung der Eltern und ohne Anwalt verhört worden.

Der 15-Jährige hatte dabei den Mord gestanden, sein Geständnis beim Prozessauftakt am 11. Januar jedoch widerrufen. Der Anklage zufolge hat der 15-Jährige der Nachbarin mit einem Brecheisen den Schädel eingeschlagen. Der ältere Komplize war nach Angaben der Staatsanwaltschaft zwar bei dem Einbruch dabei, an dem Mord aber nicht beteiligt. Allerdings habe er auch nichts unternommen, seinen Kumpel aufzuhalten oder der Frau zu helfen.

Bericht der Stuttgarter Zeitung

2017-07-21T08:05:33+02:00